0
(0)

Eine Reise in die Antarktis?

In diesen entlegenen  Ort zieht es immer mehr Menschen, in der Saison 2019/2020 immerhin 50.000 Menschen, wovon fast 40.000 an Land gingen. Trotzdem  waren dort  bis heute weniger als 800.000 Leute , also ein nicht alltägliches Reiseerlebnis.

Inhalt

 

Halfmoon Island

Dieser südlichste Kontinent ist ein extremer Ort. Er so groß wie Australien und Europa zusammen, es fällt weniger Niederschlag als in der Sahara. Es wurden Temperaturen von -93,2° C  und Windgeschwindigkeiten von mehr als 300 km/Std. gemessen. Die durchschnittliche Temperatur beträgt im Inneren des Kontinents -50° C und auch an der Küste liegt diese bei -10°–30°. Die Antarktis ist um 30° C kälter als die Arktis. Dieser Kontinent ist gänzlich unbewohnt, abgesehen von einigen Wissenschaftlern in verschiedenen Forschungsstationen. Um den Kontinent dreht sich im Uhrzeigersinn eine nicht abreißende Kette von Tiefdruckgebieten. Diese sorgen dafür, dass in der  Drake-Passage zwischen Kap Hoorn und der Antarktis an 250 Tagen im Jahr Sturm herrscht.

Warum in diese verlassene Gegend mit dem Schiff reisen, womöglich seekrank zu werden und dabei für 2 Personen mindestens einen Geldbetrag hinzulegen, für den es ein Auto der „Unteren Mittelklasse“ gibt? Die Antarktis ist das einzige Gebiet auf der Erde, das ursprünglich erhalten ist. Auch wenn diese Gegend so lebensfeindlich ist, gibt es eine Artenvielfalt von Tieren, die seinesgleichen sucht. Nirgendwo anders kann man sich diesen Tieren annähern, wie dort. Es gibt riesige Kolonien von Pinguinen mit hunderttausenden von Tieren an einem Platz. Dort den empfohlenen Mindestabstand von 5 Metern einzuhalten ist fast nicht möglich, da sich die Tiere nicht daran halten. Am Strand liegen so viele Robben und Seeelefanten, dass ein vorbeikommen schwierig ist.

Die Antarktis ist im Sommer Treffpunkt der Wale und Sichtungen sind sicher. Ein besonderes Erlebnis ist die Fahrt entlang der Tafeleisberge im oberen Weddellmeer. Diese oft kilometerlangen und mehr als 50 Meter hohen Eisberge strahlen in allen weißen und blauen Farbschattierungen. Eisberge und Eisschollen sind gelegentlich mit Pinguinen und Robben besetzt, die es sich darauf gemütlich gemacht haben. Eindrücke, die für jeden unvergesslich sind. 

Wo ist die Antarktis?

Geologisch ist dies relativ einfach zu beantworten: die Antarktis beginnt am Polarkreis bei 66 2/3 ° und geht bis zum Südpol bei 90°.

Die Antarktisverträge, in welchen sich die Staaten einigten, Gebietsansprüche ruhen zu lassen, umfassen das Gebiet südlich des 60. Breitengrad. In dieser Zone zwischen dem 60 und 90 Grad südlicher Breite wurde geregelt, dass die Nutzung der Antarktis ausschließlich friedlicher Nutzung für wissenschaftliche Zwecke vorbehalten ist. Dieser Vertrag trat 1961 in Kraft und wurde um mehrere andere Verträge ergänzt, in welchen die Erhaltung der Fauna und Flora, der Schutz der Robben und die Erhaltung der lebenden Meeresschätze geregelt ist. In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts setzten sich Umweltverbände wie Greenpeace und der World Wide Fund of  Nature (WWF) für die Schaffung eines Wildparks Antarktis ein. 1991 kam es in Madrid zur Unterzeichnung des Umweltprotokolls in welchem sich die Unterzeichnerstaaten zum umfassenden Schutz der antarktischen Umwelt verpflichteten.

Das Gebiet südlich des 60. Breitengrades, welches von den Antarktisverträgen betroffen ist , wurde nicht willkürlich gewählt, sondern entspricht in etwa der antarktischen Konvergenz. Dies ist jene Zone, in der kaltes, nordwärts fließendes Oberflächenwasser der Antarktis auf südwärts fließendes wärmeres Oberflächenwasser aus dem Norden trifft. Dieses Gebiet liegt in Südamerika in etwa auf dem 59. Breitengrad (in etwas zwischen den Falklandinseln und Südgeorgien), im Indischen Ozean ungefähr auf dem 45. Breitengrad. In dieser Konvergenzzone, die ungefähr 100 Kilometer breit ist, fällt die Wassertemperatur von 8° Celsius auf 2° Celsius, die Inseln die südlich dieser Zone liegen, haben ein polares Klima.

Durch die getroffenen Vereinbarungen durch die Antarktisverträge gelten zum Schutz der Umwelt erhebliche Einschränkungen. Südlich des 60. Breitengrades dürfen keine Schiffe mit Schwerölmotoren fahren, die Fischerei ist erheblich eingeschränkt und für den Tourismus gibt es erhebliche Hindernisse (siehe hierzu das Kapitel der Rolle der IAATO).

In die Antarktis mit dem Flugzeug ?

Seit einigen Jahren ist auch dies möglich. Voraussetzung hierfür ist eine gute körperliche Verfassung und vor allem ein großer Geldbeutel. Die Flugzeuge fliegen ab Punta Arenas in Chile oder Tasmanien in Australien. Ab Punta Arenas fliegt eine Iljuschin 76 Cargo, ab Tasmanien ein umgebauter Airbus 319. Die Preise sind in etwa gleich und die Angebote ähnlich. Wer in der Antarktis Skifahren will, kann das ab ca. 30.000 € für 7 Tage buchen, den Besuch einer Kolonie von Kaiserpinguinen gibt es für 40.000 €. Eben soviel kostet es, den Mt. Vinson  zu besteigen, den der höchste Berg in der Antarktis (4892 Meter). Ein Besuch des Südpols kostet je nach gebuchter Variante ( z.B. die letzten 100 Kilometer selbst mit Schlitten und Ski zurückzulegen) zwischen 50.000 € und 75.000 €). Die genannten Preise verstehen sich natürlich pro Person bei Übernachtung in einem 2 Mann-Zelt. Bei Sommertemperaturen von -30°C sicher nicht jedermanns Sache.

Oder mit dem Schiff?

Eine Reise mit dem Schiff ist von weniger sportlichen und weniger finanziell ausgestatteten Personen zu bevorzugen. Eine Seereise ist zwar nicht billig, eigentlich sind bei entsprechenden Ansprüchen auch keine Preisgrenzen nach oben gesetzt; billig ist es auch für denjenigen nicht, der keine großen Ansprüche stellt.

Diese Reisen werden als Expeditionsreisen angeboten. Dies bedeutet nicht, das diese für den Normalverbraucher besonders schwierig wären. Jeder der fähig ist, steile Treppen hinauf oder herunterzulaufen, bei einer Bootsanlandung am Strand einen größeren Schritt zu machen und anschließend mit Gummistiefeln sich einen Spaziergang auch in etwas steilerem Gelände ohne ausgetretenen Wege zutraut, wird keine Schwierigkeiten haben, die ihn überfordern.

Der Begriff Expeditionsreise sagt vielmehr aus, dass eine bestimmte Reiseroute, die Anlandung an im Reisekatalog beschriebenen Orten nicht garantiert werden kann. Die Route ist nur ein Vorschlag , der sich nach den jeweils örtlichen Gegebenheiten und den Wetterverhältnissen orientieren muss. Es kann Behinderungen durch Treibeis geben, die eine Befahrung gefährlich bis unmöglich erscheinen lassen. Insbesondere im Bereich von Inseln stranden in flacheren Gewässern oft größere Eisberge und an den Engstellen staut sich anschließend das Treibeis. Die Schiffe, welche  die Antarktis befahren, haben fast ausschließlich die Eisklasse 1a oder 1b und können Eisdecken von 60-80 Zentimeter Dicke durchbrechen; dies ist aber nur für den Notfall gedacht. Kein Kapitän wird freiwillig ohne Not in ein kompaktes Eisfeld steuern. 

Es gibt in der Antarktis keine Hafenanlagen oder sonstige Vorrichtungen, die es einem Passagierschiff ermöglichen, anzulegen. Das Schiff muss am besten in einer windgeschützten Bucht ankern, die Passagiere werden mit Schlauchbooten an Land gebracht. Sofern die Wellen zu stark sind, Eisschollen oder Treibeis am Strand ein Problem darstellen, ist eine Anlandung nicht möglich oder ganz einfach zu gefährlich. Jeder sollte sich vor Augen halten: bei einem Sturz in das Wasser tritt bei diesen Temperaturen der Tod innerhalb von Minuten ein.

Es kann niemand voraussagen, wie die Verhältnisse bei Ankunft an einem vorhergesehenen Anlandungsplatz sind, die Entscheidung ob ein Ersatz für diesen Besichtigungsort gesucht wird oder diese Anlandung ersatzlos gestrichen wird, liegt alleine bei der Schiffsführung. Im Normalfall wird natürlich versucht, in der Nähe eine andere interessante Stelle für eine Besichtigung zu finden; es liegt für jeden vorhergesehenen Ort ein Plan B oder ein Plan C vor. Es wird alles getan, um den Passagieren einen Ersatz zu bieten. Um es nochmals zu verdeutlichen: aufgrund der unberechenbaren Wetterverhältnisse kommt es selten vor, eine Reise genauso durchzuführen wie geplant. Sofern es möglich ist, dass für eine ausgefallene Anlandung ein Ersatz gefunden wird, sollte dies so hingenommen werden und wenn eine Unternehmung ersatzlos gestrichen wird, ist das einfach Pech. Für ausgefallene Unternehmungen gibt es keinen Ersatz oder etwa Geld zurück, es gibt auch keinerlei Versicherung, die so etwas abdeckt.

Die Antarktis ist ein lebensfeindlicher Ort und es ist niemand gedient, hier etwas zu riskieren. Schon die Verletzung eines einzelnen kann den Abbruch der ganzen Reise verursachen. Zwar ist  bei jeder Expeditionsreise ein Arzt an Bord, bei schwierigen Fällen gibt es nur die Möglichkeit einer sofortigen Rückreise für alle Passagiere. Die Antarktis liegt außerhalb der Reichweite von Helikoptern, die wenigen Flugplätze liegen im Landesinneren bei Forschungsstationen, bis zum nächsten Krankenhaus sind es mit dem Schiff im ungünstigsten Fall zwei Tagesreisen. Bei Reisen in die Antarktis (egal ob mit Flugzeug oder Schiff), ist bei allen Veranstaltern die Vorlage eines ärztlichen Attests obligatorisch. Hierin muss bestätigt werden, dass die körperlich geforderte Leistungsfähigkeit vorhanden ist. Des weiteren darf keine Krankheit vorliegen, welche die Durchführung der Reise gefährden könnte. Wer diese Bescheinigung bei der Abreise nicht vorlegen kann, darf nicht mitfahren.

Beschränkung des Tourismus

Es gibt in der Antarktis für Schiffe ungefähr 200 Stellen, an welchen Anlandungen erlaubt sind. Dies bedeutet aber nicht, dass sich jedes Schiff eine dieser Stellen beliebig heraussuchen kann. Alle Schiffe, die diese Reisen durchführen, sind Mitglieder der IAATO (International Association of Antarctica Tour Operators). Bei dieser Stelle werden die Genehmigungen für Anlandungen erteilt.

Des weiteren gibt es erhebliche Einschränkungen, welche Orte besucht werden können. Alle 200 Anlandungsstellen dürfen nur von Booten und Jachten mit max. 12  Passagieren benutzt werden. Für Schiffe bis 200 Passagiere gibt es  nur ca. 130 erlaubte  Anlangungsstellen und für Schiffe mit bis zu 500 Mitfahrern nur ca. 30 Möglichkeiten, den Fuß an Land zu setzen. Bei mehr als 500 Passagieren ist jede Anlandung verboten, solche Kreuzfahrten kann man sich eigentlich sparen.    

Zudem  darf sich nur ein Schiff an einer Anlandungsstelle aufhalten, es dürfen zu keiner Zeit mehr als 100 Personen  an Land sein und die maximale  Zeit, in der sich Leute an Land aufhalten dürfen, ist auf 4 Stunden beschränkt. Das bedeutet, wenn man auf einem Schiff gebucht hat, auf welchen 100 Passagiere mitfahren, hat man pro Landgang 4 Stunden Aufenthalt, wenn 200 Passagiere mitfahren, nur 2 Stunden. Dies alles wird über Satellitenortung des Schiffes überprüft

Bei Schiffen über 200 Personen wird die Sache aufgrund der erheblichen Einschränkungen  schon wieder uninteressant, da es nur wenige erlaubt Anlandungsstellen gibt und aufgrund der  vielen Mitfahrer die Zeit an Land einfach zu kurz bemessen ist. Es gibt außerdem noch weitere Beschränkungen.  An einigen Anlandungsstellen ist die Höchstzahl von Besuchern beschränkt. Oft dürfen diese Orte nicht mehr als 1000 Besucher pro Jahr betreten (z.B. Paulet Island oder Devil-Island). Wenn das Kontingent ausgeschöpft ist, geht den Rest des Jahres nichts mehr.

Empfehlungen

Für die Planung einer Antarktisreise  gebe ich folgende Empfehlungen:

  • -Buchen Sie einen Platz in einem kleinem Schiff, mehr als 200 Passagiere ist nicht mehr empfehlenswert
  • für preisbewusste Teilnehmer: Überführungsfahrten am Anfang der Saison sind oft nicht ausgebucht. Dadurch ergeben sich Zusteigemöglichkeiten in Buenos Aires, Montevideo oder anderen Orten in Südamerika. Bei diesen Überführungsfahrten gibt es oft bis kurz vor Schluss oft noch Restplätze, die von einschlägigen Anbietern oft mit erheblichen Preisnachlässen angeboten werden. Ansonsten sind solche Reisen oft schon ein Jahr vorher ausgebucht. Die Preise sind meist ohne Anreise, es werden aber Anreisepakete angeboten. Dies kann man aber bei eigener Buchung von Flug und Hotel wesentlich billiger haben.
  • Nach Ende der Antarktisfahrt werden fast von allen Reiseveranstaltern noch Anschlussaufenthalte zum Besuch der Wasserfälle in Foz de Iguazu angeboten. Dies kann man bei eigener Buchung zu einem Bruchteil der Preise dieser Angebote selbst machen. Hierzu bringe ich in nächster Zeit einen eigenen Beitrag.

Als empfehlenswerte Veranstalter sind zu nennen:

  • Hurtigruten
  • Quark Expeditions
  • Oceanwide Expeditions
  • Heritage Expediditions

Für den, der es etwas luxuriöser  haben will:

  • Hapag Loyd
  • Ponant

Für alle diese Veranstalter gilt, dass sie preislich vergleichbar sind—man bekommt, was man bezahlt.    

Fazit

Ich fahre selten an  einen Ort zweimal, aber für mich gilt, was ich auch schon von anderen Besuchern dieses verlassenen Ortes gehört habe: Da muss ich unbedingt noch mal hin.

Weitere Fotos von mir über die Antarktis finden Sie hier

Diesen Beitrag teilen

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on whatsapp
whatsapp
Share on telegram
Telegram
Share on pinterest
Pinterest
Share on google
Google+
Share on reddit
Reddit
Share on print
Print
Share on tumblr
Tumblr
Share on pocket
Pocket
Share on email
Email
Share on skype
Skype

Wie hilfreich war dieser Beitrag?

Klicke auf die Sterne um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 0 / 5. Anzahl Bewertungen: 0

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Es tut uns leid, dass der Beitrag für dich nicht hilfreich war!

Lasse uns diesen Beitrag verbessern!

Wie können wir diesen Beitrag verbessern?

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.